Den richtigen Drehort auswählen und vorbereiten

Den richtigen Drehort auswählen und vorbereiten. Bewerte Räume nach Licht, Hintergrund, Akustik und Stromversorgung. Kläre Genehmigungen, Anfahrten und Ausweichmöglichkeiten bei Wetter oder Lärm.

Den richtigen Drehort auswählen und vorbereiten | Business-Video Praxis: Video Camera & Microphone
Den richtigen Drehort auswählen und vorbereiten | Business-Video Praxis Panelxf , CC0 via Wikimedia Commons

Die Entscheidungsmatrix für den Drehort: Licht, Akustik, Strom und Genehmigung vor dem Drehtag prüfbar machen

Wer einen Drehort erst am Drehtag bewertet, riskiert halligen Ton, flimmerndes Deckenlicht oder eine überlastete Stromversorgung. Ein Raum, der sich für ein Meeting eignet, kann für eine Videoaufnahme unbrauchbar sein. Statt am Set zu improvisieren, sollten Sie den Drehort systematisch prüfen und jede Entscheidung vor dem Dreh dokumentieren. Die folgende Methode macht Licht-, Akustik- und Stromprobleme sichtbar, bevor das Team anreist. Der zentrale Satz, der diese Herangehensweise von generischen Ratgebern abhebt: Jeder Prüfpunkt wird mit einer messbaren Schwelle oder einem binären Kriterium bewertet, nicht mit einem Bauchgefühl.

Den richtigen Drehort auswählen und vorbereiten: Die vier Prüfbereiche

Die Wahl des Drehorts entscheidet über Bildqualität, Tonverständlichkeit und die Effizienz des gesamten Drehtags. Vier Bereiche müssen vor der Freigabe geprüft werden: Akustik, Licht, Stromversorgung und die rechtlich-logistischen Rahmenbedingungen. Wer diese Bereiche in der Vorproduktion einzeln abarbeitet, vermeidet die häufigsten Ursachen für Nachdrehs und unbrauchbares Material.

Raumakustik für Videoaufnahmen verbessern

Der Klatschtest und die 0,6-Sekunden-Regel

Die Nachhallzeit (RT60) ist der kritischste Einzelfaktor für Sprachverständlichkeit. In kleinen bis mittelgroßen Räumen sollte sie unter 0,6 Sekunden liegen (gemessen bei 500 Hz und 1000 Hz). Überschreitet der Raum diesen Wert, klingt die Stimme dumpf und unverständlich, nachträgliche Audio-Bearbeitung kann diesen Fehler nicht vollständig korrigieren.

Führen Sie bei der Ortsbegehung einen einfachen Klatschtest durch: Klatschen Sie einmal kräftig in die Hände und hören Sie, wie lange der Nachhall anhält. Dauert er länger als eine halbe Sekunde, müssen Sie Maßnahmen ergreifen. Mögliche Lösungen sind:

  • Mobile Absorber (Schaumstoff-Würfel oder schwere Decken) hinter der sprechenden Person aufstellen
  • Teppichboden statt glatter Fliesen bevorzugen
  • Vorhänge oder Stoffbahnen vor glatten Wandflächen anbringen
  • Den Aufnahmeort in eine Raumecke mit weichen Möbeln verlegen

Störschallpegel und Mikrofonwahl

Der Störschallpegel am Drehort sollte 35 dB(A) nicht überschreiten. Prüfen Sie vor Ort, ob Lüftungsanlagen, Kühlschränke, Server oder Straßenverkehr hörbar sind. Schalten Sie technische Geräte während der Aufnahme ab, wenn möglich. Ein Lavaliermikrofon (Ansteckmikrofon) unterdrückt Raumhall und Störgeräusche besser als ein Kameramikrofon, es ist bei Unternehmensvideos oft die wichtigste Einzelinvestition.

Licht und Umgebung: Fensterausrichtung, Tageslichteinfall und künstliche Lichtquellen

Die Beleuchtungsstärke für Videoaufnahmen in Innenräumen sollte zwischen 500 und 2000 Lux liegen, abhängig von der Kameraempfindlichkeit und der gewünschten Tiefenschärfe. Prüfen Sie bei der Ortsbegehung:

Fensterausrichtung und Tageslicht

Ein Fenster nach Süden liefert mittags hartes, kontrastreiches Licht; ein Nordfenster spendet weiches, gleichmäßiges Licht. Notieren Sie die Himmelsrichtung und den Sonnenstand zur geplanten Drehzeit. Wenn Sie mit Tageslicht arbeiten möchten, vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung auf das Gesicht der sprechenden Person, sie führt zu harten Schatten und Überblendungen.

Verdunkelung und Zusatzlicht

Können Sie den Raum komplett abdunkeln? Falls nicht, benötigen Sie Zusatzlicht, um das Tageslicht zu dominieren. Messen Sie die Helligkeit mit einem Luxmeter (oder einer Kamera-App) an der geplanten Position der Person und im Umfeld.

Künstliche Lichtquellen bewerten

Notieren Sie den Lampentyp (LED, Leuchtstoff, Halogen), die Farbtemperatur (warmweiß ~3000 K, neutralweiß ~4000 K, tageslichtweiß ~5000 K) und ob die Leuchten dimmbar sind. Mischen Sie keine unterschiedlichen Farbtemperaturen, das Bild wirkt dann unprofessionell.

Umgebung kontrollieren

Der Abstand zwischen Motiv und Umgebung sollte mindestens 1,5 Meter betragen, um Schatten zu vermeiden und eine angenehme Tiefenschärfe zu erzeugen. Prüfen Sie, ob störende Objekte (Papierkörbe, Kabel, Firmenlogos von Drittanbietern) im Bildausschnitt liegen. Entfernen Sie alles, was nicht zur Botschaft beiträgt.

Location Scouting für das Unternehmensvideo

Genehmigungen und Rechtssicherheit

Für gewerbliche Dreharbeiten auf öffentlichem Grund ist eine Genehmigung erforderlich. Die Antragsfrist variiert je nach Kommune und beträgt oft zwei bis vier Wochen (IHK-Leitfaden „Drehgenehmigung öffentlicher Raum“, 2023). Für private Räume benötigen Sie eine schriftliche Genehmigung des Eigentümers, die die gewerbliche Nutzung ausdrücklich erlaubt. Klären Sie außerdem, ob eine Haftpflichtversicherung des Produktionsteams nachgewiesen werden muss.

Wenn Personen erkennbar und nicht nur Beiwerk sind, ist eine Einwilligung nach DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. f erforderlich, in der Praxis bedeutet das eine schriftliche Einwilligungserklärung (Datenschutzkonferenz, Orientierungshilfe Videoüberwachung, 2021). Nach § 22 KunstUrhG ist die Einwilligung für die Veröffentlichung von Bildnissen grundsätzlich erforderlich, Ausnahmen gelten nur für Personen der Zeitgeschichte oder Beiwerk (IHK-Leitfaden „Bildrechte“, 2023).

Anfahrt und Logistik

Prüfen Sie die Zufahrt für Fahrzeuge (Höhe, Breite, Gewicht), Parkmöglichkeiten für Team und Equipment sowie die Entfernung vom Parkplatz zum Drehort. Gibt es Treppen oder Aufzüge? Können Sie eine Ladezone für die Entladung nutzen? Diese Faktoren beeinflussen den Zeitplan erheblich.

Ausweichmöglichkeiten einplanen

Definieren Sie mindestens einen Alternativraum im selben Gebäude für den Fall, dass Lärm von Baustellen, Straßenverkehr oder Nachbarn die Aufnahme unmöglich macht. Planen Sie für Außendrehs einen überdachten Ausweichort bei Regen ein. Halten Sie im Drehplan mindestens einen Ersatzterminpuffer frei. Klären Sie die Stornierungsbedingungen für die Räumlichkeiten, viele Anbieter verlangen bei kurzfristiger Absage eine Gebühr.

Stromversorgung: Absicherung, Kabellängen und FI-Schutz

Die Netzspannung in Deutschland beträgt 230 V ±10 % bei 50 Hz Netzfrequenz. Die Steckdosentypen sind Typ F (Schutzkontakt, CEE 7/3) und kompatibel mit Typ C (Eurostecker, CEE 7/16). Prüfen Sie bei der Ortsbegehung:

  • Anzahl verfügbarer Stromkreise im Aufnahmeraum
  • Lage der Sicherungskästen, sie müssen im Notfall schnell zugänglich sein
  • Maximale Absicherung pro Kreis (typisch 16 A), ein Kreis mit 16 A liefert maximal 3.680 W. Ein Kamera-Set mit drei LED-Leuchten, einem Laptop und weiterem Equipment kann diese Grenze erreichen.
  • Kabellängen von den Steckdosen zu den geplanten Set-Positionen, planen Sie ausreichend lange Verlängerungskabel ein, aber achten Sie auf Stolperfallen
  • Vorhandensein eines Erdfehler-Schutzschalters (FI/RCD), dieser ist in Deutschland seit 2009 in Neubauten vorgeschrieben, in Altbauten oft nicht vorhanden

Wenn Sie mit mehreren Stromkreisen arbeiten, lassen Sie sich vom Eigentümer oder Facility-Manager bestätigen, welche Steckdosen zu welchem Sicherungskasten gehören. Ein überlasteter Kreis löst aus und unterbricht die Aufnahme.

Drehort vorbereiten Checkliste: Die Ortsbegehung dokumentieren

Erstellen Sie ein Dokument mit folgenden Prüfpunkten. Jeder Punkt wird mit „Geprüft und OK“ oder „Handlungsbedarf“ bewertet. Bei Handlungsbedarf notieren Sie die Lösung und den Verantwortlichen.

Kategorie Prüfpunkt
Licht Fensterausrichtung (N/O/S/W) und Tageslichteinfall zur Drehzeit
Licht Vorhandene künstliche Lichtquellen (Typ, Farbtemperatur, Dimmbarkeit)
Licht Möglichkeit zur Verdunkelung
Licht Anzahl und Lage der Stromkreise für Zusatzlicht
Umgebung Umgebungsstruktur (unruhig/einfarbig)
Umgebung Abstand Motiv-Umgebung (mind. 1,5 m)
Umgebung Spiegelnde oder reflektierende Flächen
Umgebung Störende Objekte im Bildausschnitt
Umgebung Logo- oder Markenrechte im Bildausschnitt
Akustik Nachhallzeit subjektiv (Klatschtest)
Akustik Störgeräusche (Lüftung, Straße, Nachbarn, technische Geräte)
Akustik Mobilfunkempfang für Drahtlosmikrofone
Strom Anzahl verfügbarer Stromkreise
Strom Lage der Sicherungskästen
Strom Maximale Absicherung pro Kreis (typisch 16 A)
Strom Kabellängen bis zu den Set-Positionen
Strom FI-Schutzschalter vorhanden
Genehmigungen Eigentümer der Räumlichkeiten
Genehmigungen Schriftliche Drehgenehmigung eingeholt
Genehmigungen Gewerbliche Nutzung erlaubt
Genehmigungen Haftpflichtversicherung nachgewiesen
Anfahrt Zufahrt für Fahrzeuge (Höhe, Breite, Gewicht)
Anfahrt Parkmöglichkeiten für Team und Equipment
Anfahrt Entfernung Parkplatz zu Drehort (Treppen, Aufzüge)
Anfahrt Ladezonen für Entladung
Ausweichmöglichkeiten Alternativraum bei Lärm
Ausweichmöglichkeiten Überdachter Außendrehort bei Regen
Ausweichmöglichkeiten Ersatzterminpuffer im Drehplan (mind. 1 Tag)
Ausweichmöglichkeiten Stornierungsbedingungen für Räumlichkeiten

Diese Checkliste ist gleichzeitig das Freigabedokument für die Entscheidung: Erst wenn alle Punkte geprüft und bewertet sind, geben Sie den Drehort frei. Bei gravierenden Mängeln (Nachhallzeit über 0,6 s, kein FI-Schutz, fehlende Drehgenehmigung) verschieben Sie den Dreh oder suchen einen Alternativort.

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