Einen Drehplan erstellen

Einen Drehplan erstellen. Plane Orte, Personen, Licht, Ton, Puffer und Freigaben. The page must give the reader a usable method, checklist or decision rule, not

Mit diesen fünf Schritten zum fertigen Drehplan

Ein Drehplan ist die operative Übersetzung Ihrer Videostrategie in einen präzisen Zeit- und Aufgabenplan. Er macht alle Entscheidungen vor dem Dreh sichtbar und freigabefähig, und verhindert so die häufigsten Fehler: fehlende Genehmigungen, unzureichende Tonqualität und ungeplante Kosten. Dieser Plan gibt Ihnen eine konkrete Methode an die Hand, um einen Drehplan zu erstellen, der von der ersten Idee bis zur Freigabe trägt.

Schritt 1: Drehorte systematisch erfassen und absichern

Listen Sie alle Orte auf, an denen gedreht wird, Büro, Produktionshalle, Außengelände. Für jeden Ort benötigen Sie:

  • Schriftliche Drehgenehmigung: Holen Sie diese vor Drehbeginn ein. Der IHK-Leitfaden empfiehlt, die Genehmigung schriftlich zu dokumentieren. Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen. Bei öffentlichen Plätzen, Privatgrundstücken oder Ladenflächen ist die Genehmigung des Eigentümers oder der zuständigen Behörde einzuholen.
  • Lichtverhältnisse prüfen: Der Standard für ein professionelles Set ist die Drei-Punkt-Beleuchtung (Key, Fill, Backlight). Prüfen Sie vor Ort, ob Sie diese umsetzen können. Natürliches Licht ist tageszeitabhängig, notieren Sie im Drehplan, zu welcher Uhrzeit an welchem Ort gedreht wird.
  • Störgeräusche identifizieren: Gehen Sie vor dem Dreh durch den Raum und hören Sie bewusst hin. Lüftungsanlagen, Kühlschränke, Straßenlärm oder tickende Uhren sind typische Störquellen. Minimieren Sie diese vor Drehbeginn, das ist einfacher und günstiger als nachträgliche Tonbearbeitung.

Erstellen Sie für jeden Drehort eine eigene Zeile mit den Feldern: Ort, Ansprechpartner, Genehmigungsstatus, Lichtbedarf, Tonrisiken. Dieser Raster macht sofort sichtbar, wo noch Lücken sind.

Schritt 2: Personen und deren Rollen festlegen

Jeder Mensch vor oder hinter der Kamera braucht einen Platz im Drehplan. Notieren Sie:

  • Name und Rolle: Wer spricht, wer führt Regie, wer bedient Ton und Kamera? Für jede Person notieren Sie die genauen Einsatzzeiten.
  • Schriftliche Einwilligung: Vor dem Dreh muss jede erkennbare Person eine schriftliche Einwilligung nach DSGVO unterzeichnen. Die Datenschutzkonferenz stellt klar: Ohne diese Einwilligung ist die Veröffentlichung rechtswidrig.
  • Erreichbarkeit und Alternativen: Halten Sie fest, wie die Personen am Drehtag erreichbar sind und wer als Ersatz einspringt, falls jemand ausfällt.

Besonders wichtig: Prüfen Sie, ob die Sprecher*innen das Drehbuch vorher gesehen haben. Eine Probe vermeidet die typische „Ich-erkenne-mich-selbst-nicht“-Falle, bei der die Person steif und unglaubwürdig wirkt, weil das Drehbuch nicht zu ihrer natürlichen Sprache passt.

Schritt 3: Technik und Ablauf detailliert planen

Der Drehplan lebt von konkreten Angaben. Beschreiben Sie für jede Szene:

  • Tonaufnahme: Verwenden Sie ein externes Mikrofon, entweder ein Lavaliermikrofon (Ansteckmikrofon) für ruhige Räume oder ein Richtmikrofon für Umgebungsgeräusche. Das Kameramikrofon ist kein Ersatz. Planen Sie geschlossene Kopfhörer für die Tonkontrolle ein; offene Kopfhörer führen zu falschen Höreindrücken.
  • Bildgestaltung: Notieren Sie Einstellungsgrößen (Nah, Halbnah, Total) und Kameraperspektive. Ein Teleprompter kann bei langen Textpassagen helfen, erfordert aber Übung, eine monotone Lesestimme wirkt unglaubwürdig.
  • Drehbuch und Timecode: Jede Szene sollte eine klare Referenz zum Drehbuch haben. Bei Mehraufnahmen ist der SMPTE-Timecode unverzichtbar für die spätere Synchronisation von Bild und Ton.

Nutzen Sie eine Tabelle mit den Spalten: Szene, Drehort, Zeitfenster, Beteiligte, Technik (Kamera, Mikrofon, Licht), Drehbuch-Seite. So sehen Sie auf einen Blick, was wann wo passiert.

Schritt 4: Pufferzeiten und Notfallpläne einbauen

Der häufigste Fehler bei der Drehplanung ist die Unterschätzung des Zeitbedarfs. Der IHK-Leitfaden empfiehlt, 20-30 Prozent der reinen Drehzeit als Puffer einzuplanen. Das bedeutet: Bei einem geplanten Drehtag von 8 Stunden sind 1,5 bis 2 Stunden Puffer einzuplanen. Diese Zeit deckt Aufbau, Tonprüfung, Wiederholungen und unvorhergesehene Verzögerungen ab.

Planen Sie zudem einen Ausweichtermin ein, falls das Wetter nicht mitspielt oder ein Hauptakteur erkrankt. Notieren Sie im Drehplan, bis wann dieser Ausweichtermin spätestens stattfinden muss, um den Veröffentlichungstermin nicht zu gefährden.

Schritt 5: Freigabeprozess vor dem Dreh definieren

Der Drehplan ist nicht fertig, bis der Auftraggeber ihn freigegeben hat. Definieren Sie im Plan:

  • Wer gibt was frei? Legen Sie fest, wer die Drehgenehmigungen prüft, wer die Einwilligungen der Personen kontrolliert und wer den finalen Drehplan abzeichnet.
  • Wann erfolgt die Freigabe? Setzen Sie ein Datum, bis zu dem alle Unterschriften vorliegen müssen. Ohne diese Freigabe wird nicht gedreht.
  • Freigabe der Inhalte nach dem Dreh: Der Praxisleitfaden empfiehlt, nach dem Dreh eine weitere Freigabe durch den Auftraggeber einzuholen, bevor das Video veröffentlicht wird. Halten Sie diesen Schritt ebenfalls im Drehplan fest.

Entscheidungsregeln für den Drehplan

Situation Entscheidung
Drehort ohne schriftliche Genehmigung Nicht drehen, bis Genehmigung vorliegt
Person ohne unterschriebene Einwilligung Nicht filmen
Ton nur über Kameramikrofon geplant Externes Mikrofon nachrüsten oder Dreh verschieben
Kein Puffer eingeplant Drehplan um 20-30 Prozent verlängern
Freigabe nicht bis zum Stichtag erfolgt Dreh verschieben

Barrierefreiheit und Veröffentlichung vorbereiten

Der Drehplan sollte bereits festhalten, wie Barrierefreiheit umgesetzt wird:

  • Untertitel: Planen Sie Zeit und Budget für die Erstellung von Untertiteln ein, maschinelle Untertitel erreichen bei Fachbegriffen und Dialekten nur etwa 85 Prozent Genauigkeit. Die W3C Web Accessibility Initiative empfiehlt Untertitel für alle Videos.
  • Audiodeskription: Bei wichtigen visuellen Inhalten planen Sie eine Audiodeskription ein. Das ist nicht nur eine Frage der Zugänglichkeit, sondern bei öffentlichen Stellen in Deutschland nach BITV 2.0 verpflichtend.

Für die Veröffentlichung notieren Sie im Drehplan:

  • Plattform: YouTube oder Vimeo als Standardplattformen. YouTube ist eine Suchmaschine für öffentliche Reichweite, Vimeo bietet bessere Privatsphäre-Einstellungen für Geschäftskunden.
  • SEO-Titel und Beschreibung: Der Titel sollte den Suchbegriff enthalten, die Beschreibung relevanten Kontext bieten, das empfiehlt Google Search Central.
  • Datenschutzkonforme Einbettung: Planen Sie, wie das Video auf Ihrer Website datenschutzkonform eingebettet wird. Ohne Einwilligung der Nutzer*in ist die Einbettung illegal, da YouTube Cookies setzt (DSGVO und TTDSG).

Erfolgsmessung von Anfang an mitdenken

Ein Drehplan, der die Erfolgsmessung nicht berücksichtigt, ist unvollständig. Notieren Sie:

  • Welche Metriken werden gemessen? YouTube und Vimeo Dokumentation nennen Aufrufe, Verweildauer und Klickrate (CTR) als Standardmetriken.
  • Wer ist die Zielgruppe? Definieren Sie diese vor Kampagnenstart, Google Search Central empfiehlt das ausdrücklich.
  • Wann wird gemessen? Legen Sie fest, nach welchem Zeitraum die erste Auswertung erfolgt (z. B. 30 Tage nach Veröffentlichung).

Checkliste: Drehplan in fünf Minuten prüfen

  • [ ] Alle Drehorte mit schriftlicher Genehmigung?
  • [ ] Alle Personen mit unterschriebener Einwilligung?
  • [ ] Tonaufnahme mit externem Mikrofon geplant?
  • [ ] Störgeräusche vor Ort identifiziert und minimiert?
  • [ ] Pufferzeit von 20-30 Prozent eingeplant?
  • [ ] Freigabeprozess definiert (vor und nach dem Dreh)?
  • [ ] Untertitel und ggf. Audiodeskription eingeplant?
  • [ ] SEO-Titel und Beschreibung vorbereitet?
  • [ ] Datenschutzkonforme Einbettung geklärt?
  • [ ] Erfolgsmessung definiert?